LGBTI Fachgruppe Alter



Erwartungen der LGBTIQ-Menschen an Alters- und Pflegeeinrichtungen und Spitäler, an Spitex und Pflegefachschulen sowie an die Fachgruppe Alter.


Zusammenfassung des Berichts 2016 führten die Fachhochschulen St. Gallen, Luzern und Bern im Auftrag der Fachgruppe Alter von Pink Cross, LOS und TGNS eine Studie durch, mit der untersucht wurde, wie Alters- und Pflegeeinrichtungen, Spitex und den Pflegeberufsschulen Sensibilisierung für die Belange von LGBTI-Menschen


einschätzen. Im August 2019 führte die Fachgruppe nun eine Umfrage zu den Erwartungen der LGBTIQ-Menschen an diese Einrichtungen, Spitex und Institutionen durch.


An der nicht repräsentativen Umfrage nahmen 246 Personen im Alter von 20 bis 81 Jahren teil. Sie

konnte während drei Wochen online beantwortet werden. Die Umfrage betraf die gleichen Bereiche wie die Studien von 2016. Nebst den Kriterien für die Wahl einer Alters- und Pflegeeinrichtung oder einer Spitex wurden die Erwartungen an sie und ihre Personal abgefragt. Im Teil Pflegefachschulen wurden ausserdem nach der eigenen Ausbildung und den eigenen Tätigkeiten der Antwortenden in der Pflege gefragt. Zu allen Fragen bestand die Möglichkeit, ausführlich zu kommentieren. Diese Möglichkeit bot


Gelegenheit, nebst den vorgegebenen Antworten zu den Erwartungen zahlreiche Einzelaspekte einzubringen.


Nach mehrheitlicher Auffassung der Teilnehmenden sind die Einrichtungen, Spitex und Institutionen

überhaupt nicht oder nur mässig auf LGBTIQ-Menschen vorbereitet, wobei die Einschätzung der Spitex etwas positiver ausfällt. Im Bereich der Pflegefachschulen konnte ein grosser Teil sachlich keine Einschätzung abgeben.


Bei der Wahl einer Alters- oder Pflegeeinrichtung oder einer Spitex wünscht sich eine grosse Mehrheit, dass sie über ein Leitbild verfügen, das klarstellt, dass sie LGBTIQ-Menschen akzeptieren. Für sich selbst würden sie mehrheitlich eine Alters- und Pflegeeinrichtung in der Nähe ihres Freundeskreises bevorzugen. Je etwa ein Drittel wünschen sich spezifische LGBTIQ-Einrichtungen oder Spitex-Anbieter. Die Erwartungen an die Einrichtungen und Anbieter sowie deren Personal sind weitgehend kongruent. Zuoberst steht die Bereitschaft überhaupt, LGBTIQ-Menschen zu pflegen und zu betreuen. An zweiter


Stelle wird Respekt der sexuellen Orientierung und/oder der Geschlechtsidentität und der eigenen Lebenssituation (Spitex) erwartet. Bei den Alters- und Pflegeeinrichtungen wird weiter erwartet, dass sie über eine LGBTIQ-freundliche Hausordnung verfügen und offen sind für Besuche aus der LGBTQ-

Gemeinschaft.


Die Erwartungen an die Pflegefachschulen zeigen, dass an vorderster Stelle Ausbildungs- und Studieninhalte zu LGBTIQ-Bedürfnisse stehen, gefolgt von Aus- und Weiterbildungen in diesem Bereich, einem eigenen LGBTIQ-akzeptierenden Leitbild sowie die Vorhaltung eines Leitfadens für die Betreuung und Pflege von LGBTIQ-Menschen. Zu erwähnen ist, dass 41 Teilnehmende selbst eine Pflegeausbildung absolviert haben, die sie zwischen


1980 und 2010 und mehrheitlich seit 2011 abschlossen. Im Pflegeberuf waren sie seit mehr als 25 Jahren oder bis 2 Jahren in der Pflege tätig.


In einem ergänzenden Teil wurde nach den eigenen Erfahrungen in Pflegesituationen und nach den Erwartungen an die Fachgruppe Alter selbst gefragt. 96 Teilnehmende haben bereits solche Erfahrungen, und zwar nicht nur im Beruf, sondern eigene oder solche mit Familienangehörigen. Die kommentierten Erfahrungen zeigen ein sehr unterschiedliches Bild, von positiv, neutral bis zu negativ. Dabei wurde auch die unbefriedigende Personalsituation und Personalführung thematisiert.


Die übergeordneten Kommentare, aus denen sich auch die Erwartungen an die Fachgruppe Alter ergeben, stehen unter dem Motto: Einsatz für die Menschenwürde, den Respekt, die Akzeptanz und die Nicht-Diskriminierung von LGBTIQ-Menschen in den drei Umfragebereichen.


Die Fachgruppe Alter soll sich für einen LGBTIQ-Leitfaden, ein LGBTIQ-Label, eine LGBTIQ-

Zertifizierungsstelle für Standards und Regeln unter Berücksichtigung der allgemeinen Herausforderungen von Pflegezentren einsetzen. Begleitende Tätigkeitsfelder betreffen Ausbildung, Politik, Kommunikation und Akzeptanz. Zudem wird der Wunsch nach mehr LGBTIQ-Mitarbeitenden sowie Forschung und allgemeine LGBTIQ-Biografiearbeit geäussert.


Die Fachgruppe Alter wird sich folglich in den nächsten Jahren schwerpunktmässig auf folgende Tätigkeiten konzentrieren:

- Ausbildungs- und Informationsunterlagen für Pflegefachschulen, Alters- und Pflegeeinrichtungen

und Spitex sowie deren Organisationen und/oder Dachverbände

- Musterklauseln für Leitbilder der Einrichtungen, Spitex und Institutionen

- Musterbedingungen für die Anerkennung als LTBTIQ-freundliche Einrichtung oder Organisation

- Zusammenarbeit mit QueerAltern.

Statistische Angaben zu LGBTIQ-Menschen in Alters- und Pflegeeinrichtungen und Nutzer*innen vonm Spitex-Leistungen:


Die Dokumentation des Bundesamtes für Statistik zeigt, dass Ende 2018 rund 92‘000 Menschen in einem Alters- und Pflegeheim lebten, im Verlauf des Jahres 2018 dort insgesamt 156‘000 Menschen beherbergt und betreut wurden


Für die sozialmedizinische Betreuung der Menschen zu Hause teilt die Medienmitteilung des BFS mit, dass im Jahr 2017 350‘000 Menschen Spitex-Leitungen in Anspruch genommen haben.

Bei der konservativen Schätzung, dass 10 % der Menschen zur Gemeinschaft der LGBTIQ gehören, entspricht die Zahl dieser Menschen in Alters- und Pflegeeinrichtungen einem grossen Dorf und jene, die Spitex beanspruchen, einer mittelgrossen Stadt. Diese Menschen sind jedoch auf alle Landesregionen verteilt.


Ganzer Bericht hier

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